Android – Das Pornofon

Wie dem interessierten Android-Verfolger schon unter die Augen gekommen sein dürfte, hat Apples Chef und oberster Moralapostel Steve Jobs heute ein Statement zur “App-Kultur” in Apples App-Store veröffentlicht. Darin spricht er von “einer moralische Verantwortung , Pornos vom iPhone fernzuhalten” und ergänzt: “Wer Pornos möchte, der kann sich ein Android-Telefon kaufen”.

Ist das ökonomisches Kalkül, wirkliche Überzeugung oder schlichtweg Angst?

Larry Flynt musste vor einigen Jahrzehnten hart dafür kämpfen, seine Publikationen – wider des (vermeintlich) moralischen Konsens  – im Sinne der freien Meinungsäußerung und der Medienfreiheit zu verbreiten. Er bezahlte einen hohen Preis, aber der oberste Gerichtshof gab ihm letztlich Recht und räumte damit der Pressefreiheit hohes juristisches Gewicht ein. Eine Errungenschaft, die heute noch nachwirkt. Natürlich kann ein Unternehmen wie Apple die Spielregeln auf einem eigenen Marktplatz selber festlegen. Es bleibt aber die Frage, ob eine solche Bevormundung von Produzenten und Konsumenten langfristig akzeptiert werden.

Märkte leben ja bekanntlich vom ökonomischen Prinzp des Angebots und der Nachfrage. Kann ein Markt unter vielen eine Nachfrage dauerhaft nicht befriedigen, wird er gegenüber solchen die das können, langfristig den Kürzeren ziehen. Gibt es also eine Nachfrage nach Pornografie, dann schadet das dem Marktplatz App-Store und dem System iPhone wahrscheinlich mehr als es nutzt. Mann erinnere sich hierbei nur an die Videokassetten, die vor ungefähr 35 Jahren Einzug in die Wohnzimmer fanden. Die Porno-Industrie hatte auch hier einen bedeutenden Teil zur Verbreitung beigetragen. Dass Pornografie auch im Internet eine gewisse Relevanz besitzt, dürfte außerdem jedem klar sein. Darüber hinaus könnte Apples Strategie so einfach sein: “Sorry Leute, wir prüfen zwar technische Qualität und Rechtsverletzungen, aber zensieren wollen wir nicht. Wer keine Adult-Apps will, der möge diese bitte ausblenden über ‘Einstellungen -> keine Adult-Apps anzeigen’ “. Nein, ökonomisch können diese Argumente nicht begründet sein. Kinder und Jugendliche schützen zu wollen ist jedenfalls scheinheilig. Da muss man andere Kanäle zur Pornografie ernster nehmen.

Sollte es wirklich Überzeugung sein, ist das ein Spiel mit dem Feuer. Denn die Internetgemeinde zeichnet sich – so empfinde ich es jedenfalls – durch einen enormen Freiheitsdrang aus. Die Nutzer wollen die Wahl haben und selbst entscheiden können, was Sie sehen wollen und was nicht. Das Misstrauen, dass durch solche Methoden vielleicht auch unbequeme Veröffentlichungen verhindert werden sollen, wird dadurch sicher geschürt. Es geht hierbei aber nicht nur um die Zensur an sich, sondern auch um die Kultur des Ganzen. Wenn ich beispielsweise als App-Entwickler etwas zum System beitrage, dann möchte ich doch wenigsten partnerschaftlich behandelt werden und nicht wie ein einfacher Wasserträger.

Persönlich bin ich davon überzeugt: Steve Jobs hat Angst. Er sieht die wachsende Akzeptanz von “freieren App-Systemen” wie bei Android mit großer Sorge. Offensichtlich hat er noch nicht richtig viel Ahnung wie er der Herausforderung begegnen soll. Das Statment hat ihm dabei vielleicht mehr geschadet als es Apple nützt.

Ich entscheide jedenfalls gerne selber.


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Dieser Artikel wurde am Dienstag, April 20th, 2010 um 17:46 gepostet und ist in Android, Sonstiges gespeichert. Du kannst die Kommentare über das RSS 2.0 feed beobachten. Du kannst Kommentare hinterlassen, oder diese Seite über Deine trackbacken.

Eine Antwort to “Android – Das Pornofon”

Martha Mai 21st, 2010 at 06:43

Warum kann er nicht aus moralischen Gründen gegen einen Porno-App sein? Ich finde es zu einfach zu sagen, er habe Angst vor der Konkurrenz. Die technische Entwicklung wird langfristig dazu führen, dass man sich auf einem i-phone auch Schmuddelfilmchen angucken kann, davon bin ich überzeugt. Wenn Jobs es aber aus moralischen Gründen ablehnt, so finde ich das ehrlich gesagt sogar sehr gut. Er sollte allerdings jedem die Freiheit lassen, selbst zu entscheiden, ob er diesen speziellen App nutzen möchte oder nicht. Dann ist auch die Freiheit des Users wieder gewährt. Verwehren kann Jobs sich gegen die Nutzer und gegen die Marktregeln nicht, doch er kann sie für sich in seinem persönlichen Gebrauch einschränken. Und ich denke, dass er damit nicht allein da stehen wird.

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